Deutsch ist beim Französischlernen ein Vorteil. Du kennst Fälle, Nebensätze und die Idee, dass ein Verb an einer bestimmten Stelle stehen muss. Aber genau dieser Vorsprung produziert ein paar sehr typische Fehler. Hier sind die sieben, die ich am häufigsten höre.
1. Das Verb ans Ende schieben
Im deutschen Nebensatz wandert das Verb nach hinten. Im Französischen bleibt es, wo es ist. Je pense que tu as raison und nicht que tu raison as. Das klingt banal, passiert aber im Sprechtempo ständig, weil der deutsche Satzbauplan im Hintergrund weiterläuft.
Was hilft: Kurze Sätze. Wer im Französischen zwei kurze Sätze baut statt einem langen, macht diesen Fehler fast nie.
2. Das R
Das französische R entsteht hinten im Rachen, das deutsche oft auch. Trotzdem klingt es anders, weil das französische R viel weicher ist und oft fast verschwindet. Deutschsprachige rollen oder pressen.
Was hilft: Gurgeln. Im Ernst. Wer das Gefühl für den Ort im Rachen hat, lernt das R in einer Woche.
3. Nasale als Vokal plus N
Vin, vent, vont: drei Nasale, drei verschiedene Wörter. Deutsche Ohren hören oft "wäng" und sprechen ein N mit. Das N ist aber gar nicht da, es ist nur eine Färbung des Vokals.
Was hilft: Minimalpaare hören, immer wieder. Und den Mund geschlossen lassen, wo er im Deutschen aufgehen würde.
4. Die faux amis
Gymnase ist keine Schule, sondern eine Turnhalle. Le gymnase im Deutschen heißt le lycée. Wer actuellement mit "aktuell" übersetzt, liegt richtig. Wer éventuellement mit "eventuell" übersetzt, liegt falsch, es heißt "gegebenenfalls" oder "möglicherweise".
Was hilft: Eine persönliche Liste. Nicht die aus dem Internet, sondern die mit den Wörtern, bei denen du selbst schon reingefallen bist.
5. Zu höflich, zu formell
Deutsche Höflichkeit ist im Französischen manchmal zu viel. Wer eine E-Mail mit Sehr geehrte im Kopf beginnt und das übersetzt, klingt wie ein Notar. Gleichzeitig gibt es Formeln, die man kennen muss: Cordialement zum Beispiel, das steht unter fast jeder Mail.
Was hilft: Echte Mails lesen. Am besten die, die dir Französinnen und Franzosen schreiben.
6. Der Subjonctif als Angstgegner
Fast alle Deutschsprachigen lernen den Subjonctif als Regelwerk. Dabei ist er im Alltag eine Handvoll Auslöser: il faut que, je veux que, bien que. Wer diese fünf, sechs Wendungen sicher hat, benutzt den Subjonctif in neunzig Prozent der Fälle richtig, ohne die Regel zu kennen.
Was hilft: Auslöser lernen, nicht Regeln.
7. Zu leise
Der häufigste Fehler ist gar kein sprachlicher. Deutschsprachige sprechen Französisch oft zu leise und zu vorsichtig, weil sie nicht falsch liegen wollen. Das Ergebnis: Niemand versteht dich, und du glaubst, es liegt an deinem Französisch.
Was hilft: Lauter. Fehler laut machen ist besser als richtige Sätze flüstern. Das ist der Grund, warum in meinem Unterricht jede Stunde mit Sprechen anfängt.
Wenn du wissen willst, welche dieser Fehler du machst: Der Pegel auf der Startseite gibt dir eine erste Idee. Und im Kennenlerngespräch hören wir gemeinsam rein.
